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Gefahr in der Mausgasse 63

Autorenbild: Markus Föhn
Markus Föhn
6. Sept.
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 7. Okt.

Leseprobe aus «Mausgasse 63 – Mäuse und ihre Abenteuer», Band 1.

Es war ein Tag, an dem der Himmel schon am Morgen anders aussah.

Über der Mausgasse 63 hingen schwere, dunkelgraue Wolken, die sich langsam über die Dächer schoben. Die Brombeerhecken bewegten sich im Wind, die alten Wurzelbäume rauschten leise, und aus dem Garten stieg ein Duft von nasser Erde auf, obwohl es noch gar nicht richtig geregnet hatte.

Mausi sass in der Küche am Fenster und drückte die Nase gegen die Scheibe. Sein rot-blaues Käppi sass wie immer ein bisschen schief auf dem Kopf, und Dudu, sein kleines Schildkröten-Stofftier, lag fest in seinen Armen.

„Der Himmel sieht heute grummelig aus“, sagte er.

Fläderä, der auf einem Hocker stand und versuchte, mit seiner Fliegerbrille durch das Küchenfenster „das Wetter zu beobachten“, nickte ernst.

„Das ist kein gewöhnlicher Regenhimmel. Das ist ein Abenteuerhimmel.“

„Das klingt nicht beruhigend“, murmelte Mausi.

Oma Musola stand am Herd und rührte in einem Topf. Es roch nach Gemüsesuppe und warmem Käsebrot. Sie warf einen Blick zum Fenster hinaus, dann zu den Kindern.

„Manche Tage erzählen schon am Morgen, dass man besser vorbereitet ist.“

Lunica stellte frische Tassen auf den Tisch. Sie trug ihr lilafarbenes Kleid mit den kleinen Blumen, und in ihrem Haar steckte wie immer eine zarte Blüte. Ihre Stimme war ruhig, als sie sagte: „Dann bleiben wir aufmerksam. Mehr braucht es zuerst nicht.“

Mausi nickte, doch sein Blick blieb draussen hängen. Die Gasse war ungewöhnlich still. Normalerweise hörte man um diese Zeit schon Schritte, Rufe und das Klappern kleiner Wagen. Heute schien selbst Mäuslingen den Atem anzuhalten.

Dann fielen die ersten Tropfen.

Sie klopften erst sacht an die Fensterscheibe.

Tipp.

Tipp.

Tipp.

Doch daraus wurde rasch ein feiner Regen, und aus dem feinen Regen wurde ein richtiges Giessen. Binnen kurzer Zeit liefen glitzernde Wasserlinien über die Scheiben. Das kleine Rinnsal neben der Wurzelgasse schwoll an, und draussen auf den Pflastersteinen bildeten sich rasch Pfützen.

„Vielleicht wird es einfach nur ein nasser Tag“, sagte Mausi hoffnungsvoll.

Noch ehe jemand antworten konnte, hörte man von draussen das vertraute Knattern eines kleinen Motors.

„Weisel“, sagte Fläderä sofort.

Tatsächlich bog in diesem Moment Weisels kleiner Rettungswagen um die Ecke. Das Blaulicht auf dem Dach spiegelte sich blass im Regen, und die Räder spritzten Wasser zur Seite. Wenige Augenblicke später klopfte es hastig an die Tür.

Als Lunica öffnete, stand Weisel draussen, tropfnass, in seinem blauen Rettungsoverall und mit seiner blauen Mütze mit dem roten Kreuz. In der einen Pfote hielt er seine Rettungstasche, in der anderen eine zusammengerollte Karte der Gasse.

„Wir haben ein Problem“, sagte er ohne Umschweife.

Sofort versammelten sich alle um ihn.

„Der Wurzelgraben oberhalb der Mausgasse ist übergelaufen“, erklärte Weisel. „Das Wasser sucht sich einen Weg durch die Gassen. Wenn es so weiterregnet, läuft zuerst die untere Seite der Mausgasse voll. Und wenn der grosse Abfluss beim Brückenbogen verstopft ist, staut sich alles zurück.“

Mausis Ohren richteten sich auf. „Bis zu unserem Haus?“

Weisel nickte ernst. „Möglich. Darum muss jetzt alles schnell, aber ruhig gehen.“

Fläderä sprang sofort auf. „Dann sehen wir uns den Abfluss an.“

„Nicht allein“, sagte Weisel.

„Natürlich nicht“, antwortete Fläderä, diesmal erstaunlich schnell.

Oma Musola stellte den Suppenlöffel ab. „Ich hole Decken, Taschenlampen und ein paar Sandsäckchen aus dem Vorrat. Lunica, du nimmst die kleinen Nachbarskinder, falls jemand Angst bekommt. Mausi bleibt bei uns.“

Mausi wollte gerade protestieren, da legte Lunica ihm sanft eine Pfote auf die Schulter. „Du bleibst nicht einfach nur bei uns. Du hilfst mit. Aber wir machen es gemeinsam.“

Das beruhigte ihn ein wenig.

Innerhalb weniger Minuten war die gemütliche Küche zu einer kleinen Einsatzstube geworden. Weisel breitete die Karte aus und zeigte den Weg des Wassers. Fläderä zog seine Lederjacke und die Fliegerbrille an. Oma Musola füllte Körbe mit Tüchern, trockenem Brot und einer Kanne Tee. Lunica nahm eine Laterne und band ihre Haare etwas zurück. Mausi zog seinen gemütlichen Hoodie richtig zu, setzte sein Käppi fest und klemmte Dudu sicher unter den Arm.

Dann traten sie hinaus in den Regen.

Die Mausgasse 63 sah plötzlich ganz anders aus als sonst. Wo sonst Blumen dufteten und warme Lichter in den Fenstern glimmten, floss nun Wasser zwischen den Steinen hindurch. Der Regen rauschte von den Dächern, Dachrinnen plätscherten über, und am Ende der Gasse, beim alten Brückenbogen, sah man bereits, wie das Wasser höher stieg.

Mehrere Nachbarn standen unter kleinen Vordächern und blickten besorgt hinaus. Mira mit ihrem hellblauen Kleid hielt sich an der Hand ihrer Mutter fest. Pippo, der Postmäuserich, versuchte mit einer zu kleinen Schaufel Wasser von einer Türschwelle wegzuschieben, was eher tapfer als wirksam aussah.

Lunica ging sofort zu ihnen und sprach ruhig auf alle ein. Schon ihre Stimme allein brachte etwas Ordnung in das Durcheinander. „Bleibt zusammen. Niemand muss rennen. Die Kinder gehen unter dem Vordachbogen bei der Backstube. Dort ist es trocken.“

Goldene Wärme schien in ihren Worten zu liegen. Die aufgeregten Gesichter wurden etwas ruhiger. Mira atmete tiefer durch.

„Und wir?“, fragte Mausi leise.

Weisel zeigte nach vorne. „Wir sehen uns den grossen Abfluss an.“

Zusammen liefen sie bis zur unteren Gasse, wo das Wasser bereits in einem schnellen Strom über die Pflastersteine floss. Dort lag der grosse Abflussrost, der das Regenwasser in den Wurzelkanal ableiten sollte.

Nur war fast nichts mehr davon zu sehen.

Äste, Blätter, Schlamm und ein halber Brombeerzweig hatten sich davor verkeilt. Das Wasser drückte von oben nach, konnte nicht richtig ablaufen und staute sich gefährlich zurück.

„Da ist unser Problem“, sagte Weisel.

Fläderä kniete sich sofort hin. „Das kriegen wir frei.“

„Vorsicht“, sagte Weisel. „Der Strom ist stärker, als er aussieht.“

Er wollte gerade einen langen Haken aus seiner Tasche ziehen, als von oben ein Ruf ertönte.

„Weisel!“

Alle blickten nach oben.

Ein weiterer Helfer aus dem Rettungsdienst stand auf dem niedrigen Dachvorsprung eines Nachbarhauses und zeigte auf die Dachrinne. Von dort schoss zusätzlich Wasser in die Gasse, weil auch der obere Auslauf verstopft war.

„Es wird mehr“, sagte Fläderä.

„Dann müssen wir doppelt arbeiten“, meinte Weisel.

Hier endet diese Leseprobe. Wie das Abenteuer ausgeht, erfährst du im Buch «Mausgasse 63 – Mäuse und ihre Abenteuer».



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